Quo vadis, E-Commerce?

Written by Borens. Posted in Fachartikel, Meine Meinung

Kaum ein Bereich ist heute mehr dem steten Wandel unterworfen, als der elektronische Geschäftsverkehr. Vor wenigen Jahren noch eine Sache für Spezialisten und kapitalstarke Unternehmen, hat sich der E-Commerce nun auch in der breiten Masse etabliert. Kaum ein Händler ohne Onlineshop, kaum ein Unternehmen ohne Webseite.

Gut, viele davon sind nicht mehr als schlecht gemachte Prospekte und sollten eigentlich gleich wieder vom Netz genommen werden. Hier fehlt es einfach noch am Qualitätsbewusstsein der Unternehmensführungen. So hinterlassen sie einen schlechten ersten Eindruck und freuen sich dennoch darüber, überhaupt im Netz dabei zu sein. Das ist zwar widersinnig, aber Realität.

Diejenigen, die es richtig machen, laufen aber auch allzu oft jedem noch so kleinen Trend hinterher und verpulvern viel Energie und Geld in Dinge, die eigentlich keiner braucht. Sie sollten sich besser auf das Kerngeschäft konzentrieren und den ganzen Schnickschnack mal außen vor lassen. Nicht jeder kleine Shop braucht die schätzungsweise 127 Features, die es bei einigen global Playern gibt. Doch leider mutieren immer mehr Verkaufsstellen zu wahren Unterhaltungsplattformen. Wie soll der Kunde da noch in Ruhe einkaufen können, wenn er mit aller Macht davon abgelenkt wird?

Als ich noch ein junger Verkäufer war, lernte ich einiges über das Verkaufen, seine Psychologie und die wahren Beweggründe des Kunden, Geld für etwas auszugeben. Das alles scheint heute vergessen zu sein. Es scheint nur noch „Geiz ist geil!“ sowie „Brot und Spiele“ zu geben. Irgendwie ist es angesagt, jeder Sau hinterher zu laufen, die jemand durch das Dorf treibt. Na, dann lauft mal schön – und wundert euch nicht, wenn die Zahlen am Monatsende nicht stimmen.

Schauen wir mal in die Zukunft. Wird es in 5 oder 10 Jahren noch Webseiten und Shops geben, die so aussehen, wie die heutigen? Ganz sicher wird es solche Seiten geben. Aber sie werden wohl technisch nicht mehr so funktionieren, wie heute. Sie werden zum großen Teil auch nicht mehr auf einem Massenserver bei einem Webspacediscounter gehostet werden. Das wird out sein. Zumindest bei den Unternehmen, die über halbwegs flotte Internetanbindungen verfügen.

Dezentrales Hosting wird sich immer mehr durchsetzen. Die Unternehmen pflegen die Webseiten und Angebote auf einem eigenen Inhouse-Server. Dort gibt es dann nicht nur das profane Webhosting nach heutigem Muster, sondern komplette Business-Suiten, die alles mitbringen, was man für die tägliche Arbeit braucht.

Für die Kunden wird es neue Möglichkeiten geben, auf einfache Weise das Netz nach geeigneten Angeboten zu durchsuchen, zu vergleichen und mit wenigen Klicks zu ordern. Die Verschmelzung von Haushaltstechnik (ich erinnere z.B. an den intelligenten Kühlschrank) und Mediengeräten mit der Onlinewelt wird ganz neue Strukturen schaffen. Heutige Erfolgsgeschichten wie Preissuchmaschinen und ähnliche Sammeldienstleister werden nicht mehr benötigt und nach und nach in der Versenkung verschwinden. Shopsoftware, wie man sie heute kennt, wird es nur noch dort geben, wo die neuen technischen Möglichkeiten nicht einsetzbar sind.

Das reine Durchsuchen von Katalogen wird es nur noch bei den ärmeren Händlern geben. Bewegte multimediale Kauflandschaften, die auch eine direkte Kommunikation mit dem Anbieter (Verkäufer, Kundenberater etc.) ermöglichen, werden zum Standard gehören. Online einkaufen wird zumindest im audiovisuellen Bereich nahe an den realen Ladenbesuch herankommen.

Für die Shopbetreiber wird sich in technischer Hinsicht sehr viel verändern. So verschelzen hier fast alle computergestützten betrieblichen Anwendungen zu einer einzigen Plattform, in der alle wesentlichen Bestandteile integriert sind. Die permanente Vernetzung mit Lieferanten, Kooperationspartnern, Informationsquellen, externen Dienstleistern und nicht zuletzt mit dem Kunden wird Standard sein.

Die Unternehmen benötigen zur Bewältigung der künftigen Anforderungen jedoch deutlich mehr E-Business-Kompetenz als jemals zuvor. Nur so können sie mit der rasanten Entwicklung und den massiven Umwälzungen Schritt halten. Das bedeutet, dass entweder mehr kompetente Mitarbeiter eingestellt oder externe Berater und Dienstleister verpflichtet werden. Wie so oft im Leben, werden auf der einen Seite Unternehmen und mit ihnen Arbeitsplätze wegbrechen, an anderer Stelle aber neue Märkte und damit neue Unternehmen mit neuen Arbeitsplätzen entstehen.

Ich habe schon ganz konkrete Konzepte in der Schublade. Interessiert?

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